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Eine für alle – die „Sommerakademie der Begabtenförderungswerke: Demokratie gestalten!“

12. Januar 2021
Die 13 deutschen Begabtenförderungswerke bilden eine beträchtliche Vielfalt an politischen, konfessionellen, wirtschafts- und gewerkschaftsnahen Hintergründen ab. Insgesamt unterstützen sie aktuell über 33.000 junge, überdurchschnittlich begabte und gesellschaftlich engagierte Menschen in den Bereichen Studien-, Promotions- und Post-Doc-Förderung und bieten ihnen so die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Talente optimal zu entfalten. Studierenden und Promovierenden aller Werke, die für eine vielfältige Demokratie eintreten, soll ein Austausch- und Diskussionsforum geboten werden. Dazu veranstalten wir die „Sommerakademie der Begabtenförderungswerke: Demokratie gestalten!“.

Die „Sommerakademie der Begabtenförderungswerke: Demokratie gestalten!“ ist eine Initiative der 13 Begabtenförderungswerke unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie steht unter Federführung der Hans-Böckler-Stiftung und wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Was ist die Idee der Sommerakademie?

Wir möchten das großartige Potential aller Begabtenförderungswerke zusammenbringen und aus ihrer Vielfalt schöpfen, um gemeinsam aus verschiedenen Blickwinkeln Fragen zu diskutieren, die uns alle zur Reflexion anregen. Gemeinsame Grundlage dafür ist uns bei aller Pluralität das Bekenntnis zu Demokratie, Meinungsfreiheit und Respekt des jeweils anderen (siehe: Gemeinsames Werteverständnis der Begabtenförderung).

Dafür beziehen wir Studierende aller Fachrichtungen und Hochschularten ein, denn „Demokratie gestalten“ ist ein Thema für jede*n. Lange war dies eine Domäne der Geisteswissenschaften, doch ist „Demokratie gestalten“ auch für Studierende der Wirtschafts- und Naturwissenschaften, sozialer Berufe oder technologieorientierter Studiengänge relevant: gesellschaftlich zu verhandelnde Fragen der Teilhabe, Technologiefolgen und Umweltauswirkungen in ihrem zukünftigen Arbeitsleben werden weiter an Bedeutung gewinnen. Dass es an Herausforderungen nicht mangelt sehen wir deutlich in der Region Ruhr: Folgen des Strukturwandels für Wirtschaft und Gesellschaft, Fragen der Bildungsgerechtigkeit und Infrastruktur, von Flucht und Migration ebenso wie der Erhaltung von lebenswerten Naturräumen betreffen alle Bürger*innen und können nur gemeinsam beantwortet werden. Ob beispielsweise als Lehrer*in, Raumplaner*in, IT-Ingenieur*in, Sozialarbeiter*in, Politikwissenschaftler*in und in vielen anderen Tätigkeitsfeldern: es ist wesentlich, die jeweils individuellen Erfahrungen für mögliche Lösungen nutzbar zu machen.

Eine gemeinsame Sommerakademie – wie sieht das aus?

In den drei Sommern 2019, 2021 und 2022 fragen wir: Wie geht es unserer Demokratie – und was können wir zu ihrer Ausgestaltung beitragen? Wie können gegenwärtige Herausforderungen bewältigt und zugleich die Bedürfnisse zukünftiger Generationen mitgedacht werden? In den einzelnen Jahren steht jeweils ein spezifisches Thema im Vordergrund und der Fokus liegt auf einer bestimmten Weltregion. 2019 haben uns mit Blick auf Europa die Themen Rechtsstaatlichkeit, zivilgesellschaftliches Engagement und Rechte von Minderheiten beschäftigt (hier geht es zur Dokumentation). Bei der Sommerakademie 2021 schauen wir auf den Themenkomplex Klimawandel, Demokratie und Wissenschaft und legen dabei einen Fokus auf Nordamerika.

Eine Woche lang gibt es am Veranstaltungsort in Heidelberg ein breit gefächertes Programm: Nach erstem Kennenlernen findet am Abend des Eröffnungstags als Auftakt ein Festakt, mit Beiträgen von Professoren aus der Biodiversitätsforschung sowie dem Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Heidelberger Schloss statt.

Über die Woche bietet jedes der 13 Werke vormittags dann ein eigen konzipiertes Seminar an, das offen für Stipendiat*innen aller Werke ist. Dadurch ergibt sich eine Auseinandersetzung mit den Perspektiven aller Teilnehmenden über den Hintergrund des eigenen Förderwerks hinaus. Nachmittags und abends bietet das Programm u.a. Exkursionen sowie Podiumsdiskussionen und Vorträge mit renommierten Referent*innen. So wurde 2019 das Thema Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zum Beispiel durch Paul Kirchhof (Bundesverfassungsrichter a. D), und den Historiker Manfred Berg aufgegriffen, während Podiumsdiskussionen sich (jüdischer) Erinnerungskultur widmeten und das Thema „Starkes Europa“ von fünf EU-Parlamentariern diskutiert wurde.

„Demokratie gestalten!“ heißt auch, dass es zahlreiche Möglichkeiten für Angebote von teilnehmenden Stipendiat*innen selbst gibt: Die Teilnehmer*innen können z.B. journalistisch aktiv werden, Diskussionsformate organisieren, aber auch sportliche, musikalische oder literarische Programmpunkte gestalten. Religiosität und Spiritualität sind ebenfalls Teil der Sommerakademie: Zu verschiedenen Zeiten richten die konfessionellen Werke Gottesdienste aus, etwa eine muslimische Freitagspredigt, eine jüdische Shabbat-Feier und einen ökumenischen Gottesdienst – jeweils offen für alle. Für spirituelle Angebote gibt es ebenso Raum, wie für von den Stipendiat*innen selbst geleitete „Morgenimpulse“.

Um welche Themen geht es 2021?

Ganz gleich welchen Hintergrund wir haben, sehen wir uns mit den gleichen komplexen Fragen konfrontiert, die insbesondere junge Menschen zur Auseinandersetzen drängen. Aber schon der öffentliche Diskurs, in dem diese Fragen verhandelt werden, erscheint aktuell höchst aufgeladen. Etablierte Institutionen wie Wissenschaft und Medien sehen sich in Fragen des Klimawandels einer Skepsis gegenüber, die zum Teil in offener Feindschaft bis hin zu Gewalt eskaliert. Es entladen sich radikale Stimmungen, die grundsätzliche demokratische Übereinkünfte ignorieren und deren Wirkung wir auf die Meinungsbildung im Klimadiskurs untersuchen.

Gleichzeitig erleben wir insbesondere in der jungen Generation das Auftreten neuer sozialer Bewegungen, die sich für nachhaltige und generationsgerechte Lösungen der Klimafrage einsetzen. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir auf verschiedenen Ebenen das Phänomen Klimawandel und beschäftigen uns 2021 mit dessen Ursachen und realen Folgen für beispielsweise Ökologie, Migration und Wirtschaft in der Welt. Für die zugrundeliegende Frage nach dem Verhältnis von Mensch, Natur und Technik wird auf philosophischer, natur-, sozial- und politikwissenschaftlicher Perspektive ebenso nach Antworten gesucht wie im Diskurs untereinander und mit unterschiedlichsten Gesprächspartnern. Der regionale Schwerpunkt liegt 2021 auf Nordamerika. Beispielhaft soll etwa der Umgang mit Klimaereignissen wie regelmäßigen Extremwettererscheinungen in den USA in den letzten 300 Jahren betrachtet werden. Dabei beschäftigt uns auch der Ausgang der US-Wahlen im November 2020 in seinen Folgen für globales Handeln gegen den Klimawandel.

Diese komplexen Fragen können nur auf Basis fundierter Analysen erörtert werden. Die Sommerakademie bietet dafür einen hervorragenden Rahmen und wird mit der Vielfalt unserer Perspektiven nach Antworten zu suchen. Stipendiat*innen aller 13 Begabtenförderungswerke können sich ab dem 15. März 2021 auf der Seite www.sommerakademie-demokratie.de anmelden.

Wie geht es weiter?

Im dritten und die Veranstaltungsreihe abschließenden Jahr wird die Sommerakademie 2022 den Blick auf Asien richten. Demokratieverständnis, wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Implikationen, Digitalisierung und Social Scoring sowie europäischer Einfluss auf das boomende Kultur- und Wissenschaftsleben in China werden einige der Themen sein, denen wir dann nachgehen werden.

Schweren Herzens müssen wir die Sommerakademie 2021 aufgrund der fortwährenden Pandemielage und der damit verbundenen hohen Planungsunsicherheit ausfallen lassen. Informationen zur Sommerakademie 2022 finden Sie in Kürze auf unserer Website.

Manuel Oppenberg für das Team der Sommerakademie der Hans-Böckler-Stiftung

Bild: Stephan Pramme