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Interview
Symbolbild Suttner-Studienwerk | Copyright: Josh Hild, Unsplash

Das Bertha von Suttner-Studienwerk: ein neues, humanistisches Förderwerk

29. Juni 2021
Das Bertha von Suttner-Studienwerk wurde im Januar 2021 vom Humanistischen Verband Deutschlands, der Giordano-Bruno-Stiftung, der Humanistischen Akademie Deutschland und der Bundesarbeitsgemeinschaft humanistischer Studierender sowie von Privatpersonen gegründet. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Ralf Schöppner erklärt im Interview, wodurch sich das noch junge Studienwerk auszeichnet und was im Bewerbungsverfahren wichtig ist.

Interview mit Dr. Ralf Schöppner (Humanistische Akademie Deutschland) Logo BvS

Herr Dr. Schöppner, das Bertha von Suttner-Studienwerk wurde im Januar 2021 gegründet.
Was macht das Studienwerk aus?

Wir wenden uns ausdrücklich an Studierende, die sich humanistisch verstehen. Studierende, für die Werte wie Humanität, Wissenschaft, Selbstbestimmung und Toleranz einen hohen Stellenwert haben. Es gibt mehrere religiöse Studienwerke, aber kein weltanschaulich-humanistisches, obwohl die Gleichbehandlung von Religion und Weltanschauung im Grundgesetz festgelegt ist.  

Was motiviert Sie, Zeit und Arbeit in die Unterstützung (potenzieller) Stipendiat*innen zu investieren?

Ich bin selbst einst in den Genuss einer Studienförderung gekommen und habe das als sehr wohltuend erlebt: nicht nur die finanzielle Unterstützung, auch die ideelle Förderung und die Gemeinschaft. Ich möchte dazu beitragen, dies auch anderen zu ermöglichen. Zumal ich in den letzten Jahren in meiner Arbeit für die Humanistischen Akademien immer wieder von Studierenden gefragt worden bin, warum es da diese nicht nachvollziehbare Förderungslücke für Studierende mit einer humanistischen Weltanschauung gibt

Mit welcher finanziellen und ideellen Förderung können die Stipendiat*innen rechnen?

Wir werden aktuell noch nicht wie die anderen Studienwerke vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die jetzt erstmals ausgeschriebenen Stipendien finanzieren die am Bertha von Suttner-Studienwerk beteiligten Organisationen, die alle gemeinnützig sind, aus eigenen Mitteln. Damit können wir immerhin eine finanzielle Förderung in Höhe von 300 Euro monatlich auszahlen. Schon jetzt aber verfügen wir über ein breites Angebot an Bildungsveranstaltungen und Diskussionsgruppen sowie wissenschaftliche Netzwerke, die für Studierende spannend sind.

Was sollten Studierende mitbringen, wenn sie sich beim Humanistischen Studienwerk bewerben? Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Engagement für humane Lebensverhältnisse, wissenschaftliche Neugier, Interesse an weltanschaulichen Fragen und Debatten, gute Leistungen und nicht zuletzt: Liebe zum Leben und zu den Menschen – trotz allem, was die oftmals so treiben – sind uns wichtig. Auch gehört zum Humanismus historisch und gegenwärtig das eigenständige individuelle Nachdenken. Gerade im Angesicht zunehmender Tendenzen wie Rechtspopulismus und Wissenschaftsleugnung braucht eine demokratische Gesellschaft Menschen, die genau nachfragen und kritisch analysieren, die schlichte und krude Erklärungen anzweifeln und auch stets die eigenen Urteilsquellen prüfen.

An die Frage anknüpfend: Welche Rolle spielen die Schul- bzw. Studienleistungen bei der Bewerbung?

Wir fördern wie alle Begabtenförderwerke leistungsstarke Studierende. Leistung zeigt sich oft in Noten, aber nicht immer und auch nicht nur. Wir bemühen uns, die Studierenden als ganze Menschen zu beurteilen, dabei sind vorliegende Noten ein Aspekt, aber nicht das einzige Kriterium.

Inwiefern zählt ehrenamtliches Engagement bei der Bewerbung? Welche Arten von Engagement berücksichtigen Sie?

Ehrenamtliches Engagement ist ebenso ein wichtiger Aspekt. Wir freuen uns über Studierende, die sich dafür einsetzen, die Bedingungen menschlichen Lebens und Zusammenlebens zu verbessern, ob im Nahumfeld oder global gedacht, ob sozial oder ökologisch, durch Kunst und Literatur oder durch Wissenschaft, wir lassen das bewusst offen.

Ist die Bewerbung für alle Fachrichtungen offen?

Ja, bewerben können sich Studierende aller Fächer.

Wie läuft das Auswahlverfahren konkret ab?

Nach einer formalen Prüfung der Bewerbungsunterlagen (siehe Website) durch unsere Geschäftsstelle entscheidet ein Auswahlausschuss, bestehend aus renommierten Wissenschaftler*innen, ob ein*e Bewerber*in zu einem Auswahlgespräch eingeladen wird. Nach den Gesprächen entscheidet der Ausschuss über die Vergabe.  In Zukunft können natürlich auch Stipendiat*innen in den Auswahlgremien mitwirken. 

Wie können sich Stipendieninteressierte informieren? Ab wann kann man sich bewerben?

Auf unserer Website finden alle Interessierten sämtliche Informationen. Die erste Bewerbungsrunde läuft noch bis zum 31. Juli und wir freuen uns über rege Teilnahme.

Weitere Informationen:

Bild: Unsplash / Josh Hild