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Leitfaden zum Erstellen eines Stipendiatengutachtens

Die meisten Stipendiengeber fordern mindestens ein Gutachten im Rahmen einer Stipendienbewerbung. Dies ist in der Regel durch Lehrkräfte oder Professor*innen auszustellen, allerdings können je nach Förderwerk auch andere Personen infrage kommen.

Inhalt und Struktur 

Ein Empfehlungs- oder Vorschlagsgutachten ist eine Art Referenz, bei der der Verfasser bzw. die Verfasserin als Bürge/Bürgin auftritt. Hierbei geht es weniger um eine Aufzählung beobachteter Tätigkeiten als vielmehr um eine persönliche Einschätzung des/der zu Empfehlenden. Im Vordergrund sollten Kompetenzen und Potenzial sowie die persönliche Eignung des Kandidaten bzw. der Kandidatin aus Sicht des Verfassers/der Verfasserin stehen. Daher ist es wichtig, dass beide sich im Vorfeld kennengelernt haben. Ein Vorschlagsgutachten ohne inhaltliche Aussagekraft hilft bei der Bewerbung in der Regel nicht weiter. Ferner ist es sinnvoll, sich über etwaige formale Anforderungen und Fristen des Stipendiengebers informieren zu lassen. Auch dessen Profil sollte bekannt sein, um die Darstellung auf diesen zuschneiden zu können. 

Gutachten

Allgemein sollte das Vorschlagsgutachten folgende Elemente enthalten:

  • Briefkopf des Ausstellers/der Ausstellerin (Name, Position, Organisation)
  • Direkte Telefonnummer (Rückfragen kommen häufig vor)
  • Name und Anschrift des Adressaten/der Adressatin (nicht des Bewerbers/der Bewerberin)
  • Betreff (Empfehlungsschreiben für…- der Bewerber/die Bewerberin wird namentlich benannt)
  • Schreibstil in Ich-Form („Ich persönlich empfehle“)
  • Kurze Selbstvorstellung (In welcher Position / Rolle empfehle ich)
  • Fachliche Empfehlung (Die ich selbst erlebt / beobachtet habe, sonst Referenz benennen)
  • Erfolge (Die ich selbst erlebt / beobachtet habe, sonst Referenz benennen)
  • Subjektive Empfehlung des Bewerbers/der Bewerberin (möglichst auch in Bezug auf das Stipendium)
  • Datum, Unterschrift

Muster für ein Vorschlagsgutachten

Prof. Dr. Musterfrau
Lehrstuhlinhaberin des Musterlehrstuhls
Musterstraße 1
11111 Musterstadt

Musterstiftung
Begabtenförderung
Musterstraße
11111 Musterstadt
 

Vorschlagsgutachten für Frau Mustermann für ein Stipendium der Musterstiftung

Sehr geehrte/r Frau/Herr Mustermann,
ich habe Frau Mustermann im Wintersemester 2019 in meinem Seminar xy kennengelernt. Seither hat sie mehrere Veranstaltungen bei mir besucht und Arbeitsnachweise erbracht, so dass ich ihre Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft fundiert beurteilen kann.

In meinen Veranstaltungen ist mir Frau Mustermann als herausragende Studentin aufgefallen. Ihre fachlichen Kenntnisse und ihre analytischen Einschätzungen, mit denen sie sich rege beteiligte, bereicherten stets die Seminardiskussionen. Ihre Seminararbeit zum Thema „xy“ zeichnete sich durch eine umfassende Kenntnis des Forschungsstandes, eine theoretisch fundierte Hypothesenentwicklung sowie eine luzide empirische Darstellung aus, die ihr eine eigenmotivierte Hinzuziehung zeitgenössischer Quellen und Periodika erlaubte. Dafür erhielt sie von mir die Note 1,0. Ebenso in einer mündlichen Prüfung, die an meinem Lehrstuhl zum Thema „xy“ stattfand, in der die Studentin eine eloquent dargelegte Kenntnis des Gegenstands an den Tag legte.

Durch die Veranstaltungen und in vorbereitenden Sprechstunden konnte ich einen guten Eindruck von Frau Mustermanns strukturierter und sorgfältiger Arbeitsweise erhalten. Ihr hoher fachlicher Anspruch und ihre Eigenmotivation lassen mich davon ausgehen, dass sie ihr Studium mit sehr guten Leistungen und in Regelstudienzeit abschließen wird. 

Frau Mustermann zeichnet besonders ihre intrinsische Motivation aus, fachliche Fragen wissenschaftlich tiefgehend klären zu wollen. Sie „geht den Dingen auf den Grund“ und scheut sich nicht davor, hierfür großen Arbeits- und Rechercheaufwand auf sich zu nehmen, wie z. B. durch die Hinzuziehung über das erwartete Maß hinausgehender Forschungsmethoden und Literatursichtungen. Daher gehe ich schon zu diesem Zeitpunkt nicht nur von einem hervorragenden Studienabschluss, sondern auch von einer darüberhinausgehenden erfolgreichen Wissenschaftslaufbahn der Studentin aus, insofern sie sich für diese entscheidet.

Ich habe Frau Mustermann als kritischen, politisch und kritisch denkenden Kopf kennengelernt. Gerade Fragen sozialer Ungleichheit, sozialer Verteilung sowie systemische Gesellschaftsvergleiche haben sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich bewegt. Hierzu trägt vermutlich der Migrationshintergrund der Studierenden bei, durch den sie sich in ihrer Biografie selbst unmittelbar mit diesen Themen konfrontiert sah. 

Hervorheben möchte ich hier ihre Nähe zur Partei „xy“ aus der sie in Seminardiskussionen, wo es angebracht war, kein Geheimnis gemacht hat, und mit deren Positionen und Thesen in der „xy-wissenschaft“ sie sich stets reflektiert und multiperspektivisch auseinandergesetzt hat.

Angesichts ihrer fachlichen und persönlichen Eignung unterstütze ich ohne Einschränkung und mit Nachdruck die Aufnahme von Frau Mustermann in das Stipendienprogramm der Musterstiftung.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Mara Musterfrau