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Erfahrungsbericht

"So hoch, wie vielleicht vermutet, sind die Hürden nicht. " - Interview mit Janine Bauhof

17 März 2020
In diesem Interview berichet Janine von ihren Erfahrungen bei der Bewerbung, dem Mehrwert ideeller Förderung und warum es sich lohnt, sich um ein Stipendium zu bewerben.

Ein Interview mit Janine, Stipendiatin des Cusanuswerks und Studentin an der Universität Duisburg-Essen. Die Fragen stellte Ana Alba Schmidt, Ansprechpartnerin für das Projekt Stipendienkultur Ruhr bei RuhrFutur

Mein Name ist Janine Bauhof und ich bin 27 Jahre alt. Ich stehe zurzeit kurz vor dem Abschluss meines Masterstudiums in den Fächern Deutsch und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen. Während meines Studiums wurde ich durch das Cusanuswerk, das Begabtenförderwerk der katholischen Kirche in Deutschland, gefördert.

Janine, wie bist du auf das Thema Stipendien aufmerksam geworden?
Eine Freundin war bereits einige Zeit Stipendiatin des Cusanuswerks. Sie hat mir viel von den Vorteilen der ideellen und finanziellen Förderung und vor allem den tollen stipendiatischen Veranstaltungen erzählt. Als ich begonnen habe, mich genauer über die Möglichkeiten und Anforderungen zu informieren, war ich schon im 4. Bachelorsemester. Ich bin dann zu dem Schluss gekommen, dass ich ebenfalls versuchen möchte, Stipendiatin des Cusanuswerks zu werden.
 

Janine Bauhof

Was hat dich motiviert, dich für ein Stipendium zu bewerben?

Mir hat die Aussicht gefallen, mich bei Veranstaltungen wie den Ferienakademien über die Grenzen meiner Studienfächer hinaus mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen. Dass das Förderwerk mich in meinem Studienfortschritt begleitet und bei Herausforderungen beratend zur Seite steht, war für mich ein weiterer guter Grund, mich beim Cusanuswerk zu bewerben. Außerdem hat mich motiviert, durch das Stipendium Kontakte zu anderen Stipendiat*innen in ganz Deutschland knüpfen zu können.
Die finanzielle Förderung bedeutet für mich Sicherheit. Zwar habe ich während meines Studiums auch immer gearbeitet, konnte jedoch dank der finanziellen Unterstützung den Fokus auf mein Studium legen.

Wieso hast du dich für das Cusanuswerk entschieden? 

Da ich katholisch und gläubig bin, empfand ich das Cusanuswerk als das Förderwerk, das am besten zu mir passt. Dort treffe ich auf viele andere junge Christ*innen, die einen modernen und kritischen Glauben leben, sich mit den bestehenden Verhältnissen in der Kirche nicht abfinden, ihr aber auch nicht den Rücken kehren möchten. Neben dem Bildungsprogramm gibt es auch ein geistliches Programm, das Wege zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben und mit sich selbst eröffnet. Ich habe durch diese Angebote das gute Gefühl, dass das Förderwerk mich trotz der großen Menge an Stipendiat*innen als individuelle Person wahrnimmt. 

Als ich mich im Vorfeld über das Cusanuswerk informiert habe, hat mich außerdem die Themenauswahl und -vielfalt des Bildungsprogramms sehr angesprochen. Aus allen erdenklichen Fachbereichen ist etwas dabei und die Partizipation der Stipendiat*innen an der Auswahl der Themen und auch in vielen anderen Bereichen ist ausdrücklich erwünscht.

Inwiefern empfindest du dein Stipendium als Mehrwert in deiner Studienzeit? 
Durch das Stipendium bin ich mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen in Berührung gekommen, die im Rahmen meines Studiums keine Rolle spielen. Insbesondere diese Erweiterung meines Horizonts empfinde ich als große Bereicherung. Ich habe außerdem viele sehr motivierte und inspirierende andere Stipendiat*innen kennengelernt, die mich zum Nachdenken über meine eigenen Haltungen und Pläne angeregt haben. Auch darin sehe ich für mich eine große Bereicherung. 

 

Broschüren verschiedener Förderungswerke

Was bedeutet die ideelle Förderung für dich?

Die ideelle Förderung besteht im Cusanuswerk aus dem Bildungsprogramm und dem geistlichen Programm. Darüber hinaus können in Beratungsgesprächen mit den Referent*innen individuelle Probleme und Pläne besprochen und geklärt werden. Es gibt außerdem stipendiatische Fachschaften, die jährliche Tagungen organisieren, und natürlich die Hochschulgruppen an der Uni. Die Themen sind extrem vielfältig und decken alle Fachbereiche von den Natur- und Ingenieurswissenschaften, über Medizin und Geisteswissenschaften, bis hin zu Kunst und Musik ab. So kann man sich beispielsweise auf einer zweiwöchigen Ferienakademie einmal aus ganz verschiedenen Perspektiven mit Wohnkultur, künstlicher Intelligenz oder der Freiheit beschäftigen. Im Rahmen der Ferienakademien gibt es außerdem auch immer viele Stipendiat*innen, die im Freizeitbereich noch einen Tanzworkshop, einen Chor oder einen Film- und Diskussionsabend anbieten. Die ideelle Förderung ist also wirklich sehr vielfältig und bietet immer auch einen Rahmen, sich selbst mit seinem Wissen oder Können einzubringen.

Welche besonders interessante Erfahrung im Rahmen der ideellen Förderung ist dir in Erinnerung geblieben?

Eine Ferienakademie zum Thema Islam hat mir viele neue Perspektiven eröffnet. Wir haben viel über islamische Geschichte und Philosophie gelernt, Hintergründe islamischer Glaubenspraxis erfahren und diskutiert und im Rahmen eines Konzerts traditionelle Musik aus dem islamischen Kulturkreis zu hören bekommen. Besonders spannend fand ich den Besuch des Freitagsgebets in einer Moschee. Diese Erfahrung hätte ich ohne die ideelle Förderung wahrscheinlich nicht gemacht.

Was würdest du zukünftigen Bewerber*innen für das Auswahlverfahren empfehlen? 

Meiner Erfahrung nach, und das gilt sicherlich für jedes Förderwerk, sollte man sich vorher gut überlegen, warum man sich bei genau diesem Förderwerk bewirbt, was man sich erhofft und wie man sich in die stipendiatische Gemeinschaft einbringen möchte. Dafür ist eine Recherche auf der Homepage der Förderwerke hilfreich, um sich über das aktuelle Bildungsprogramm, die innere Organisation und die Ziele des Förderwerks zu informieren. Für das Auswahlgespräch kann ich außerdem ganz praktisch den Tipp geben, sich im Vorfeld intensiv über das aktuelle Weltgeschehen auf dem Laufenden zu halten. Ich habe vor meinem Auswahlgespräch die Tagespresse verfolgt und mir überlegt, wie ich mich innerhalb der gesellschaftlichen Debatte zu verschiedenen Themen positioniere. Das war für mein Auswahlgespräch sehr hilfreich. 

Was möchtest du Stipendieninteressierten im Ruhrgebiet mit auf den Weg geben? 

Als ich mich beworben habe, kannte ich niemanden, der sich zur gleichen Zeit ebenfalls um ein Stipendium bemüht. Dass Bewerbungsverfahren, Auswahlgespräche und Referenzschreiben an den Ruhrgebietsuniversitäten noch keine sehr prominente Rolle spielen, mag es unwahrscheinlich erscheinen lassen, ein Stipendium zu ergattern. Doch davon sollte man sich nicht von seinem Wunsch nach einem Stipendium abbringen lassen. So hoch, wie vielleicht vermutet, sind die Hürden nicht. Gute Noten sind natürlich häufig Voraussetzung, doch der Notendurchschnitt muss nicht bei 1,0 liegen, um für ein Stipendium in Frage zu kommen. Im Bewerbungsverfahren spielen viele weitere Faktoren, wie beispielsweise das gesellschaftliche Engagement, eine Rolle. 
Die Bewerbung um ein Stipendium ist zwar herausfordernd und braucht Zeit und Einsatz, aber der Aufwand lohnt sich!

Weitere spannende Erfahrungen von Stipendiat*innen auf Ihrem Weg durchs Stipendium können Sie ebenfalls auf unserer Website nachlesen. Lesen Sie selbst…