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Interview
MGI

Nach mehreren Anläufen gleich zwei Stipendien erhalten

30. Juni 2022
Min Gyu Im ist 22 Jahre alt und studiert Humanmedizin. Momentan pausiert er sein Studium, um an der University of Oxford zu promovieren. Gefördert wird Min Gyu von zwei Förderwerken: der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Wie bist Du auf das Thema Stipendien aufmerksam geworden?

Vor allem über meinen Bruder, der ebenfalls in seiner Studienzeit Stipendiat war und mich sowohl über die vielen verschiedenen Stipendien aufmerksam gemacht hat als auch beim Bewerbungsprozess unterstützt hat. Aber auch über meinen damaligen Oberstufenkoordinator, der mich ebenfalls während und nach meinen Abiturprüfungen ermutigt hat, mich um Stipendien zu bewerben.

War Dir schon vor Deinem Studium bewusst, dass Du die Voraussetzungen für ein Stipendium mitbringst?

Eigentlich nicht. Ich hatte mich zwar auch zum Anfang des Studiums für mehrere Stipendien beworben, aber immer eine Absage erhalten. Ich glaube das lag vor allem daran, dass ich mein gesellschaftliches Engagement erst im Studium richtig begonnen habe und in der Schulzeit lediglich meine Leistungen gut waren, aber das soziale Engagement fehlte.

Was hat Dich motiviert, dich für ein Stipendium zu bewerben?

Primär die Möglichkeit viele verschiedene Kontakte zu knüpfen. Durch das Stipendium hat man immer Draht zu anderen (Alt-)Stipendiat*innen, die in ganz Deutschland und auch in anderen Ländern vertreten sind. So kann man sein Netzwerk enorm erweitern.

Warum hast Du Dich für die Friedrich-Naumann-Stiftung als politische Stiftung entschieden?

Ich würde mich selbst als einen Menschen bezeichnen, dem die Freiheit sehr wichtig ist. Sei es die Meinungs-, Bildungs- oder berufliche Freiheit. Dementsprechend erkenne ich mich in den Werten der Friedrich-Naumann-Stiftung (FNF), einer liberalen und der FDP-nahen Stiftung - sehr wieder. Das heißt jedoch nicht, dass ich als Bewerber*in der FDP angehören muss oder alle Parteipläne unterstütze, sondern ich den Grundgedanken des Liberalismus selbst nachverfolge.

Wie bist Du zu deinen Stipendien gekommen?

Bei der FNF kann man sich im Gegensatz zu anderen Förderwerken unbegrenzt oft bewerben. Ich hatte mich erstmals nach meinem Abitur während des ersten Semesters beworben, wurde jedoch zunächst abgelehnt. In meinem Physikum (1. Staatsexamen) habe ich ganz gut abgeschnitten, danach habe ich mich dann mit meinem sozialen Engagement erneut beworben und wurde auch aufgenommen.

Für die Studienstiftung des Deutschen Volkes (SdV) hatte ich leider keine Empfehlung von meiner Schule, weshalb ich mich vorher nicht um ein Stipendium bewerben konnte. Mit dem Ergebnis meines Physikums wurde ich jedoch vom Landesprüfungsamt für die Studienstiftung vorgeschlagen. Ich habe dann die Chance genutzt und mich um das Stipendium beworben und habe letztendlich auch hier eine Zusage erhalten.

Kannst Du dich noch daran erinnern, was Du in den Motivationsschreiben geschrieben hast?

Im Grunde genommen habe ich ein bisschen meinen Werdegang geschildert: aus welchen Gründen ich mich für das Studienfach entschieden habe und inwiefern mir eine Förderung helfen könnte, meine Ziele zu erreichen. Ich bin beispielsweise auf das große Netzwerk der Stipendiat*innen beider Förderwerke eingegangen, welches sich weltweit erstreckt.

Neben guten bis sehr guten Schul- bzw. Studienleistungen ist auch Engagement eine Voraussetzung für ein Stipendium. Mit welchem Engagement hast Du überzeugt?

Seit meinem ersten Semester bin ich in unserer Fachschaft tätig und habe bereits früh viele Aufgaben übernommen. Später habe ich zudem angefangen mich hochschulpolitisch zu engagieren, zum Beispiel in Gremien wie dem Fakultätsrat oder der Unterrichtskommission.

Für die Bewerbung benötigt man ein Empfehlungsschreiben von einer*einem Professor*in. Wie bist Du darangekommen?

In meinem Fall habe ich zum einen einen Professor gefragt, der mich in meiner mündlichen Physikumsprüfung geprüft hatte. Gleichzeitig kannte er mich schon aus früheren Testaten und dem Fakultätsrat, weshalb ich mir dachte, dass er sich ein gutes Bild von mir machen könnte und dadurch in der Lage wäre ein Gutachten zu erstellen. Das zweite Gutachten wurde mir von meinem Dozenten ausgestellt, der mich in unseren Anatomie-Kursen und -Seminaren betreut hatte.

Wie lief das Auswahlverfahren ab?

Bei der FNF besteht das Auswahlverfahren aus zwei Runden. Die erste Runde ist die schriftliche Bewerbung. Dafür füllt man das Bewerbungsformular im Internet aus und lädt zusätzlich zwei Gutachten hoch. Wenn man hier überzeugt hat, wird man zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Dies findet einmal pro Halbjahr an einem festgelegten Termin statt. In meinem Fall habe ich das Gespräch mit einer Ärztin, einem Anwalt und einem Professor für Geowissenschaften geführt. Hierbei wurde ich zu meinem Werdegang und aktuellen kontroversen Themen befragt - in meinem Fall das pandemiebedingte Kontaktverbot. Ich habe es mehr als ein nettes Gespräch als eine Prüfung oder ein Bewerbungsgespräch empfunden, weshalb die Nervosität im Laufe des Gesprächs schnell abgenommen hat. Etwa zwei bis drei Wochen später habe ich dann meine Zusage per Mail erhalten.

Bei der Studienstiftung wird bei Vorschlag durch das Prüfungsamt jede*r zum Auswahlseminar eingeladen, unabhängig von dem Inhalt der schriftlichen Bewerbung. Zusätzlich reicht man noch ein Gutachten von einer Professorin/einem Professor ein. Das Auswahlseminar ist auf ein Wochenende aufgeteilt und beinhaltet zwei Gespräche: eins mit einem Gutachter vom gleichen Fach und eins mit einem fachfremden Gutachter. Dazu kommt eine Diskussionsrunde, bei der man in einer kleinen Gruppe einen 10-minütigen Vortrag zu einem beliebigen kontroversen Thema hält und anschließend eine Diskussion darüber moderiert. Nach den Vorträgen der anderen Gruppenmitglieder ist man dann selbst dran, die Diskussion zu führen. So hatte ich drei Diskussionsrunden, in denen ich selber diskutieren sollte, und eine Runde, in der ich mein eigenes Thema vorgetragen habe.

Welche besonderen Angebote bietet die FNF, gerade als politische Stiftung?

Da man als Medizinstudent nur wenige bis gar keine politischen Themen behandelt, eröffnet mir die Stiftung viele Möglichkeiten mich politisch weiterzubilden. Dies wird durch Seminare ermöglicht, die entweder von der FNF selbst oder von anderen Stipendiat*innen organisiert werden.

Wovon träumst Du beruflich, was möchtest Du später gern erreichen?

Ich strebe eine klinisch-akademische Karriere als sogenannter „clinician scientist“ an. Mein Ziel ist es, eines Tages Grundlagenforschung als Professor mit klinischer Patientenversorgung als Ober- oder vielleicht auch Chefarzt zu verbinden.

Was gibst Du allen Stipendieninteressierten im Ruhrgebiet mit auf den Weg?

Einfach bewerben! Das Schlimmste, was passieren kann, ist abgelehnt zu werden, und im besten Fall wird man angenommen, man hat also nichts zu verlieren! Mein Tipp für das Auswahlverfahren: Sei einfach Du selbst!

Weiterführende Informationen: 

Foto Min Gyu Im: privat