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Interview
JD

Duales Studium mit Deutschlandstipendium: Informatik-Studentin Jessica im Interview

10. Januar 2022
Jessica Dreyer ist 21 Jahre alt, studiert Informatik an der Hochschule Bochum und erhält eine Förderung durch das Deutschlandstipendium. Im Interview erzählt sie uns, was sich durch das Stipendium für sie verändert hat und wie ihre Zukunftspläne aussehen.

Was studierst Du genau? An welchem Punkt im Studium stehst Du?  

Ich studiere Technische Informatik im KIA-Modell. Das bedeutet, ich absolviere neben dem vierjährigen Studium eine zweijährige Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung. Die ersten zwei Jahre habe ich also dual studiert und nach der absolvierten Abschlussprüfung bin ich für die letzten zwei Jahre ins Vollzeitstudium gewechselt. Aktuell bin ich im fünften Semester. 

Wie bist Du auf das Thema Stipendien aufmerksam geworden? 

Durch die Hochschule Bochum habe ich regelmäßig E-Mails zur Bewerbung für das Deutschlandstipendium bekommen. Zuvor hatte ich mich mit dem Thema gar nicht beschäftigt. Durch mein duales Studium und das Ausbildungsgehalt war die Studienfinanzierung erst mal gesichert, deswegen habe ich mich gar nicht als Zielgruppe angesprochen gefühlt. Ich dachte, das Stipendium ist eher etwas für Studierende, die Schwierigkeiten mit der Finanzierung haben. 

Was hat Dich dann motiviert, Dich für das Deutschlandstipendium zu bewerben? 

Kurz nach den ersten erfolgreichen Klausuren hat mich einer meiner Professoren angesprochen und mir aufgrund meiner Noten empfohlen, mich für das Stipendium zu bewerben. Ich dachte, ich kann es ja mal versuchen, hatte aber nicht unbedingt erwartet, dass ich ausgewählt werde.  

Kannst Du Dich noch daran erinnern, was Du im Motivationsschreiben angegeben hast?

Ja, ich habe erklärt, warum ich mich fürs Studium entschieden habe, welche Themen mich interessieren und dass ich mit Spaß und Engagement studiere. Die Frage „Warum sollten ausgerechnet Sie gefördert werden?“ fand ich zunächst schwierig, da ich finde, dass eigentlich jede*r das Recht hat, eine Förderung zu erhalten. Ich habe dann argumentiert, dass ich gerade als Frau im Bereich Technik oftmals in der Unterzahl bin und von der Förderung profitieren würde. 

Neben sehr guten Schul- und Studienleistungen ist auch Engagement eine Voraussetzung für ein Stipendium. Mit welchem Engagement hast Du gepunktet? 

Vor der Corona-Pandemie hatte ich unentgeltlich Nachhilfe an meiner ehemaligen Schule gegeben, im Kleingartenverein bei der Organisation von Festen und Spielen geholfen und im Orchester gespielt. Aber ehrlich gesagt hatte ich das gar nicht angegeben, da mir das nicht erwähnenswert vorkam.  

Was hat sich durch das Stipendium in Deinem Leben und im Studium verändert?

Nach zwei Jahren in der Informatik habe ich mich daran gewöhnt, als Frau in der Minderheit zu sein. Dennoch finde ich es sehr schade, dass die Informatikbranche im 21. Jahrhundert noch immer als Männerdomäne dargestellt wird. Diesen Aspekt habe ich auch in meiner Bewerbungsphase, die wie bei jedem aus Hoch- und Tiefpunkten besteht und nun schon etwas länger zurückliegt, mehr als deutlich zu spüren bekommen: In 90 Prozent aller Bewerbungsgespräche kam die Frage auf, wieso ich mich als Frau für einen mathematisch-technischen Beruf entschieden habe und ob das Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen dafür überhaupt ausreiche. 

Umso mehr freue ich mich, als Frau durch das Deutschlandstipendium gefördert zu werden. Diese Förderung bestärkt mich auf der einen Seite in meiner Entscheidung, in die Informatik zu gehen, und auf der anderen Seite darin, gegen Vorurteile anzukämpfen. Und es ist eine schöne Anerkennung, dass auch andere sehen, wie sehr ich mich ins Studium „reinhänge“. 

Was möchtest Du später gern erreichen? 

Nach dem Bachelor könnte ich mir vorstellen auch meinen Master in Technischer Informatik zu machen. Hundertprozentig festgelegt habe ich mich da aber noch nicht. 

Welche Tipps gibst Du allen Stipendieninteressierten mit auf den Weg? 

Ich rate allen, die sich bewerben möchten, dies auch zu tun. Schließlich hat man nichts zu verlieren. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man eine Ablehnung erhält.  Wenn Du Dein Bewerbungsschreiben verfasst, sei ehrlich und schreibe das, was Dir einfällt und Dich ausmacht.

Und möchtest Du abschließend auch allen Schüler*innen und Student*innen etwas mitgeben, die sich für ein MINT-Fach interessieren? 

Ja, gerne. Wenn Du ein MINT-Fach studieren möchtest, mache es einfach, egal was andere sagen. Das Geschlecht hat nichts damit zu tun, ob man es schafft oder nicht, man muss sich einfach im Studium engagieren. Die Unterstützung von Freunden oder der Familie hilft natürlich, und wenn Du die ersten Schritte gehst, sage Dir: „Ich mache das jetzt und ich schaffe das auch!“

Weitere Informationen: 

Bild: privat