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Interview
MB

Hinein in Dein Abenteuer: zis-Stipendiat Manuel Boskamp berichtet über seine Reise

29. Januar 2021
Ich heiße Manuel Boskamp und bin 20 Jahre alt. Ich studiere im dritten Semester „Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik“ an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Aufgewachsen bin ich in Dortmund, dort habe ich auch meine gesamte Schulzeit verbracht. Nach meinem Abitur konnte ich mit einem Reisestipendium England erkunden.

Welches Stipendium hattest Du?

Nach meinem Abitur im Sommer 2018 bin ich einen Monat lang mit dem Reisestipendium der zis-Stiftung für Studienreisen mit Fahrrad und Zug durch England gereist. Die Idee des Stipendiums ist es, mindestens vier Wochen mit einem selbst gewählten Thema zu verreisen, neue Orte und Menschen zu besuchen und von ihnen zu lernen. Dafür bekommt jede*r Stipendiat*in ein Budget von 700€, das für den gesamten Reisezeitraum ausreichen muss. Am Ende muss ein Reisetagebuch und ein Bericht oder ein Werkstück (z.B. Skulptur, Malerei, Podcast, Film, Fotoarbeit) abgegeben werden.

Wie bist Du auf das Thema Stipendien aufmerksam geworden?

In der Oberstufe gab es an unserer Schule ein Berufswahl-Angebot des NRW-Talentscoutings. Darüber bin ich auf einen Stipendienworkshop an der TU Dortmund aufmerksam geworden, bei dem diverse Stipendien vorgestellt wurden. So habe ich festgestellt, dass Stipendien eine große finanzielle, vor allem aber persönliche Unterstützung sind. Im Rahmen dieses Workshops habe ich auch das zis-Stipendium kennengelernt.

Was hat dich schließlich motiviert, dich für das Reisestipendium zu bewerben?

In meinen letzten Schuljahren habe ich immer wieder gemerkt, dass ich nach dem Abitur gerne für einige Zeit verreisen und mich dabei einem Projekt widmen möchte. Das Stipendium bot sich dafür an, da ich nun die Möglichkeit hatte, meine Reise selbst zu gestalten. So konnte ich mit der Reise gleichzeitig meinem Interesse für Nachhaltigkeit und Medien nachgehen. Das Thema meiner Reise lautete schließlich „Transition Towns – Ausblicke auf einen nachhaltigen, gesellschaftlichen Wandel“. Die Mindestreisedauer von vier Wochen erschien mir zudem wie ein angemessener Zeitraum, um das erste Mal alleine unterwegs zu sein, meine Umwelt und mich selbst besser kennenzulernen und trotzdem stets ein Ende im Blick zu haben. Die Möglichkeit auf Verlängerung gibt es ohnehin jederzeit! Außerdem gefiel mir die Idee, sozusagen ein „handfestes“ Ergebnis abliefern zu müssen, wodurch man sich immer wieder herausfordern muss, weiterzumachen, Fragen zu stellen, zuzuhören und zu lernen.

Welche Möglichkeiten hat Dir das Reisestipendium eröffnet?

Meine Reise führte mich nach England, wo ich mir in verschiedenen Städten die „Transition Town“-Bewegung angesehen habe – eine weltweite Initiative, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, einen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandel mitzugestalten. Dafür entwickelt jede Transition Town ihre ganz eigenen Wege sich für die Umwelt einzusetzen: Lokale Währungen, Gemeinschaftsgärten oder auch ein Café, das „gerettete“ Lebensmittel anbietet. Auch Themen wie erneuerbare Energien und klimaneutraler sozialer Wohnungsbau werden vorangetrieben. All das konnte ich mir aus nächster Nähe ansehen und habe in diesem Rahmen Interviews mit den Menschen geführt, die all diese Projekte möglich machen. Aus diesen Interviews habe ich dann einen einstündigen Podcast produziert, der meine Rechercheergebnisse zusammenfasst und als Bericht bei zis dient. Dadurch konnte ich mehr darüber lernen, wie man sich tief in ein Thema hineinbegeben und es danach für andere verständlich darstellen kann – das waren im Grunde meine ersten Erfahrungen mit Journalismus.

Aber die eigentliche Erfahrung ging noch weit darüber hinaus: Ich konnte durch meine Reise viel darüber lernen, was mir wichtig ist und wofür ich mich einsetzen möchte. In England, aber vor allem in der Stiftung selbst habe ich wundervolle und für mich sehr inspirierende Menschen kennengelernt. Meine Reise hat mich ein gutes Stück eigenständiger gemacht und mich immer wieder dazu gebracht, meine Gedanken, mein Selbstbild und Weltbild zu hinterfragen und abzugleichen.

Welche besonders spannende, schöne oder aufregende Erfahrung hast Du in deiner Zeit in England machen können?

Es gab viele wunderbare Erlebnisse auf meiner Reise, wie zum Beispiel ein großer Filmabend, ein Fahrradworkshop oder eine Kanutour. Die wichtigste Erfahrung habe ich aber direkt am ersten Tag meiner Reise gemacht. Ich war in London angekommen und wollte die ersten 100 Kilometer mit dem Fahrrad bewältigen. Allerdings war es über 40 Grad heiß und ich musste einsehen, dass ich es so nicht rechtzeitig zu meinem Treffen in Hastings an der Küste schaffen würde. Daher musste ich umplanen und hatte durch verschiedene Umstände schon am ersten Tag knapp 100€ ausgegeben. Da ich noch vier Wochen vor mir und einen ersten anstrengenden Tag hinter mir hatte, begann ich an meiner Reise zu zweifeln. Am nächsten Tag traf ich jedoch meine ersten Kontakte in Hastings, mit denen ich ein paar wundervolle Tage verbrachte und von denen ich für meine weitere Reise sehr viel Unterstützung bekam. Diese erste Begegnung hat mich mit so viel Hoffnung und Zuversicht erfüllt, dass all meine Zweifel wie weggeweht waren.

Inwiefern war Dein Stipendium ein großer Mehrwert für Dich, auch in Bezug auf Deine Studienzeit?

Inzwischen arbeite ich mit vielen anderen Alumni von zis daran, die Stiftung auf verschiedenen Wegen bekannter zu machen. Wir planen Veranstaltungen, produzieren einen Podcast, halten Vorträge, digitalisieren das Archiv und präsentieren die Stiftung in den sozialen Medien. Das gibt mir die Möglichkeit, das Gelernte aus meinem Studium anzuwenden und die Idee von zis zu verbreiten. Die Zusammenarbeit macht unglaublich viel Spaß und gibt mir die Möglichkeit, mich mit Menschen aus sehr unterschiedlichen Lebensbereichen und Regionen zu vernetzen. Es bietet sich auch immer mal wieder die Möglichkeit, neue Orte zu entdecken!

Darüber hinaus profitiere ich natürlich auch im Rückblick von meiner Reise, meinem Podcast, den Ideen und der Eigenständigkeit, die ich dort entwickelt habe und von den wundervollen Begegnungen. Ich erinnere mich gerne daran zurück und gewinne daraus das Vertrauen, dass es überall Menschen gibt, die sich für ihre Ideen einsetzen. Zudem wurde mir bewusst, dass es immer einen Weg gibt, der einen weiterführt, auch wenn er nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

Welche Tipps hast Du abschließend für Bewerber*innen für das Reisestipendium?

Wichtig ist, dass das Thema der Reise dich interessiert. Verstelle dich nicht, sondern erkläre deine Motivation und wie die Reise dich und die Menschen, die du unterwegs triffst voranbringen kann. Es ist hilfreich, die Themen nicht zu groß und abstrakt zu stecken. Das heißt nicht, dass es keine großen Themen sein dürfen, aber je konkreter sie sind, desto einfacher ist es, die passenden Kontakte zu knüpfen. Zeig, dass du dich mit dem Thema und Deiner Reiseidee beschäftigt hast und schreibe erste Informationen zu Darstellungsform, Transport und möglichen Kontakten auf. Das muss noch nicht perfekt sein, aber für die zis-Jury ist es hilfreich zu sehen, dass du dir ein gutes Konzept für deine Reise überlegt hast.

Nutze die Chance, einen alternativen Bericht abzugeben um dich kreativ auszuprobieren! Wenn du einen Bericht abgibst bist du nicht gezwungen, ihn wie eine Seminararbeit zu schreiben. Es gibt Berichte in Romanform oder als Kurzgeschichten. Du wirst dich später freuen, wenn du eine herausfordernde Form wählst, die dir Spaß, Freiheit und neue Erfahrungen gibt. Die zis-Stiftung legt zudem viel Wert darauf, allen Reisen eine gleichwertige Anerkennung zukommen zu lassen, sodass nicht das Gefühl entsteht, dass einige Reisen gelungener seien als andere.

Wenn Du noch Fragen hast, melde dich bei mir!

Bewirb Dich hier bis zum 15. Februar 2021 auf ein zis-Reisestipendium