Direkt zum Inhalt

Überblick: Wie bewerbe ich mich erfolgreich für ein Stipendium?

Eine Bewerbung für ein Stipendium kostet Zeit und Mühe; auch der Auswahlprozess ist meist langwierig. Dennoch sollten Sie die Chance nutzen, denn bei einer Zusage erhalten Sie wertvolle Unterstützung für Studium und persönliche Entwicklung. Doch wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Welche Unterlagen sind einzureichen und wie geht man am besten vor? Die folgenden Tipps helfen Ihnen, mit einer überzeugenden Bewerbung Ihre Aussichten auf ein Stipendium zu erhöhen.

Was gehört zur Bewerbung?

Zu einer schriftlichen Stipendienbewerbung gehören in der Regel Motivationsschreiben, Lebenslauf, Gutachten und Zeugnisse. Manchmal ist zudem ein Bewerbungsbogen auszufüllen. Er erleichtert es der Auswahlkommission, die Bewerbungen direkt miteinander zu vergleichen. Gut zu wissen: Jede Stiftung hat ein anderes Auswahlverfahren mit unterschiedlichen (teilweise wechselnden) Fristen und verlangt andere Unterlagen. Daher lautet die wichtigste Regel: Informieren Sie sich so früh wie möglich und planen Sie genügend Zeit für die Bewerbung ein. Grübeln Sie nicht über die große Hürde, die vor Ihnen liegt, sondern fangen Sie an – Schritt für Schritt! 

Was gehört in eine Bewerbung? Zwei Studenten diskutieren über ihr Profil

Erste Schritte

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick: Welche Begabtenförderungswerke gibt es überhaupt?
  • Wofür stehen die verschiedenen Stiftungen, welche Ziele verfolgen sie?
  • Was sind Ihre persönlichen Ziele, Wünsche und Werte?
  • Wählen Sie maximal drei Stiftungen aus, die zu Ihren Vorstellungen und zu Ihrem Profil passen.
  • Nehmen Sie Kontakt zu aktuellen oder ehemaligen Stipendiat*innen und Vertrauensdozent*innen auf, um Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung zu erhalten.
  • Informieren Sie sich genau über den Bewerbungsprozess: Welche Unterlagen müssen bis wann wo eingereicht werden? Bei Unklarheiten scheuen Sie sich nicht nachzufragen.
  • Fangen Sie frühzeitig an, Zeugnisse, Empfehlungsschreiben und Referenzen zusammenzutragen.
  • Behalten Sie die Bewerbungsfristen im Blick.
  • Bei Unklarheiten oder Fragen: Nehmen Sie Kontakt zu den Förderwerken, aktuellen oder ehemaligen Stipendiat*innen, Hochschulmitarbeiter*innen oder Vertrauensdozent*innen auf.

Gute Gründe für Ihre Bewerbung

Bei Ihrer Bewerbung sollten Sie sich stets in die Perspektive des Stipendiengebers hineinversetzen. Die Auswahlkommission möchte zum Beispiel erfahren, warum Sie sich für ein bestimmtes Studienfach entschieden haben und aus welchen Gründen Sie sich genau bei dieser Stiftung oder dieser Organisation bewerben. Daher sollte Ihre Bewerbung um ein Stipendium immer gut und nachvollziehbar begründet sein. Skizzieren Sie Ihren Lebensweg und erläutern Sie Ihre Entscheidungen. Ferner sollte eine potenzielle Förderorganisation anhand Ihrer Zeugnisse, Notenspiegel, Referenzen und / oder Gutachten abschätzen können, wie Ihre akademischen Leistungen sind und ob Sie gesellschaftlich engagiert sind bzw. das Potenzial dafür mitbringen.

Wichtig: Nur vollständige Bewerbungen, die vor Ablauf der Bewerbungsfrist eingehen, werden im Auswahlverfahren berücksichtigt. Planen Sie daher ausreichend Zeit für die Bewerbung und – je nach Vorgaben – das Einholen von Referenzen / Gutachten etc. ein. Senden Sie Ihre Unterlagen mit allen erforderlichen Bewerbungsdokumenten ein bzw. laden Sie die Dokumente rechtzeitig hoch.

Die zentralen Bausteine Ihrer Bewerbung

Wie bei einer Bewerbung um eine Stelle gilt es auch bei der Stipendienbewerbung, zunächst eine schriftliche Bewerbung zu erstellen. Sie besteht in der Regel aus einem Motivationsschreiben, einem Lebenslauf, einem Gutachten und Zeugnissen, manchmal zudem aus einem Bewerbungsbogen. Für alle, die auf Basis ihrer schriftlichen Bewerbung vorausgewählt wurden, geht es dann in die zweite Runde: das Auswahlverfahren mit Gesprächen und / oder Präsentationen. Doch eins nach dem anderen!

Das Motivationsschreiben

Das Motivationsschreiben ist das "Herz" einer Bewerbung für ein Stipendium. Dabei handelt es sich um einen individuellen, frei formulierten Text von meist ein bis zwei Seiten. Darin beschreiben Sie, was Sie persönlich antreibt – beispielsweise ein bestimmtes Studien- oder Forschungsinteresse oder gesellschaftliche Fragestellungen. Die Auswahlkommission liest dieses Schreiben oft zuerst und entscheidet dann, ob sie sich mit Ihren übrigen Unterlagen beschäftigt. Daher hat es eine besonders große Bedeutung im Auswahlprozess. Lesen Sie hier mehr darüber, wie Sie mit Ihrem Motivationsschreiben für ein Stipendium überzeugen können. Übrigens: Viele Hochschulen bieten Workshops zum Verfassen von Motivationsschreiben an.

Der Lebenslauf

Im Normalfall wird ein tabellarischer Lebenslauf verlangt. Er sollte nicht mehr als zwei Seiten umfassen und übersichtlich strukturiert sein. Denken Sie daran, dass die Auswahlkommission ohne großen Zeitaufwand das Wichtigste über Sie erfahren möchte. Ganz oben stehen Ihre persönlichen Daten. Darauf folgen Angaben zu Ausbildung, Nebenjobs und Praktika sowie persönlichem Engagement und Interessen. Ob Sie eine chronologische Reihenfolge wählen oder eine umgekehrt-chronologische, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist, dass Sie die gewählte Struktur konsequent beibehalten. Nicht vergessen: Datum und Unterschrift gehören als Abschluss unter den Lebenslauf.

Student schreibt an einer Bewerbung

Manche Stipendiengeber bevorzugen einen ausformulierten Lebenslauf. Dabei handelt es sich um einen Fließtext, der in der Ich-Form geschrieben wird. Auch ein ausführlicher Lebenslauf benötigt eine klare Struktur (eventuell mit Zwischenüberschriften) und orientiert sich an den oben genannten Eckdaten. Er sollte chronologisch bis zum Zeitpunkt der Bewerbung führen. Das Besondere am ausformulierten Lebenslauf ist, dass Sie darin Ihre Entscheidungen begründen können und sollten, und einen Zusammenhang zwischen Ihren bisherigen "Stationen" herstellen können. Dadurch gewinnt die Auswahlkommission einen Eindruck von Ihrer Persönlichkeit. Zum Abschluss skizzieren Sie Ihre Ziele und Zukunftspläne kurz; das zeigt, dass Sie klare Vorstellungen haben.

Ein Beispielbild für ein Bewerbungsfoto

Das Bewerbungsfoto

Der Stipendiengeber möchte sich ein Bild von Ihrer Person machen. Deshalb gehört meist auch ein Bewerbungsfoto zu den Unterlagen. Das Bewerbungsbild sollte maximal ein Jahr alt und von einem*r professionellen Fotografen*in gemacht worden sein. Dann sind eine gute Ausleuchtung und ein passender Hintergrund garantiert. Der*die Fotograf*in kann Ihnen auch Tipps zur Haltung und Mimik geben. Selfies oder Urlaubsfotos sind bei einer Bewerbung für ein Stipendium nicht angebracht. Wählen Sie schlichte, eher elegante Kleidung, beispielsweise eine Bluse oder ein Hemd sowie eventuell einen Blazer oder ein Jackett. Make-up sollte eher dezent eingesetzt werden, eine gepflegte Frisur rundet das Bild ab. Ob Sie ein Farbfoto oder ein Schwarz-Weiß-Bild bevorzugen, bleibt Ihnen überlassen.

Die Bewerbung prüfen

Alles geschafft, alle Unterlagen beisammen? Jetzt ist es Zeit, tief durchzuatmen und die Bewerbung noch einmal gründlich anzuschauen. Prüfen Sie Ihre Unterlagen sorgfältig auf Rechtschreib-, Grammatik- und Tippfehler sowie auf den Ausdruck und die Struktur. Geben Sie Ihre Bewerbung möglichst zum Gegenlesen an ein Familienmitglied oder eine befreundete Person, bevor Sie die Unterlagen versenden. Vier Augen sehen mehr als zwei! Eine einwandfreie Bewerbung vermittelt, dass Sie sich Mühe gegeben haben und dass Sie sorgfältig arbeiten.

Das Auswahlverfahren

Ihre schriftliche Bewerbung war erfolgreich? Herzlichen Glückwunsch – Sie haben die erste Hürde gemeistert! Nun haben Sie die Chance, auch im weiteren Auswahlverfahren zu überzeugen. Die meisten Stipendiengeber möchten sich persönlich ein Bild von Ihnen machen. Zu diesem Zweck werden Sie zu einem oder mehreren Auswahlgesprächen eingeladen. Diese Gespräche können unterschiedliche Formate haben: Je nach Stipendienprogramm sind beispielsweise Einzelgespräche mit Gutachter*innen Ihrer Fachrichtung oder Mitarbeiter*innen der Förderorganisation, Gruppendiskussionen mit anderen Bewerber*innen oder mit Stipendiat*innen möglich, aber auch Vorträge und Gespräche über fachliche Kenntnisse.

Informieren Sie sich beim jeweiligen Förderwerk, welches Format die Auswahlgespräche haben, und bereiten Sie sich sorgfältig vor. Über folgende Fragen sollten Sie sich beispielsweise Gedanken machen:

  • Warum bewerben Sie sich genau für das von Ihnen angestrebte Stipendium?
  • Aus welchen Gründen haben Sie sich für Ihre Studienfächer entschieden?
  • Welche Rolle spielt gesellschaftliches Engagement in Ihrem Leben?
  • Welche aktuellen Themen haben Sie in der letzten Zeit besonders bewegt und wie ist Ihr Standpunkt in der gesellschaftlichen Debatte?

Nutzen Sie für die Vorbereitung auf die Auswahlgespräche auch das Beratungsangebot der beteiligten Hochschulen und nehmen Sie an den Informationsveranstaltungen und Workshops an den Hochschulen teil.

Gruppendiskussionen und Vorträge

Zusätzlich zu Auswahlgesprächen oder stattdessen können Gruppendiskussionen oder Vorträge verlangt werden. Informieren Sie sich bei Ihrem Förderwerk nach dem jeweiligen Ablauf.

Bei einer Gruppendiskussion möchte der Stipendiengeber herausfinden, wie Sie sich in einer Gruppensituation verhalten, ob Sie Ihre Gedanken strukturieren und überzeugend argumentieren können, ob Ihre Beiträge produktiv sind und wie es um Ihre Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit steht. Allgemein gilt: Anstelle von emotionalem Verhalten sind Sachlichkeit, Ruhe und Klarheit gefragt.

Um Sie besser kennenzulernen, laden einige Stipendiengeber Sie ein, einen kurzen Vortrag zu halten. Inhaltlich kann es dabei um ein vorgegebenes oder selbstgewähltes Thema gehen, manchmal ist aber auch eine Selbstpräsentation gefragt. Für beides gilt: Achten Sie darauf, die vorgegebene Zeit einzuhalten. Sie dürfen ruhig selbstbewusst auftreten. Nutzen Sie die Vorbereitungszeit, um Ihre Gedanken zu ordnen und den Vortrag zu strukturieren. 

Vortrag Bewerbungstraining

Überlegen Sie, welche Informationen über Ihre Person für diesen Anlass wichtig sind: Wo sind die Anknüpfungspunkte in Ihrem Lebenslauf an die Schwerpunkte der Förderorganisation? Eine Selbstpräsentation lässt sich gut vorbereiten. Überlegen Sie bereits im Vorfeld, wie Sie sich in dieser Situation vorstellen würden. Auch wenn Sie ein anderes Thema bekommen, ist das eine gute Übung. Falls Sie zu einem bestimmten Thema vortragen sollen, gilt es dabei zu zeigen, dass sie sorgfältig recherchieren, Informationen einordnen und verschiedene Positionen und Argumente reflektieren können. Wichtig ist, gut strukturiert vorzugehen und sachlich zu bleiben. Ihren Vortrag können Sie mir einem kurzen Fazit abschließen.

Warten auf die Entscheidung

Nun gilt es abzuwarten: Der Auswahlprozess dauert vor allem bei den größeren Stipendienwerken oft mehrere Monate. Bei kleineren Stiftungen geht die Auswahl zwar meist zügiger voran, doch auch dort sollten Sie andere Formen der Studienfinanzierung in Ihre Planungen einbeziehen: Selbst wenn Ihre Bewerbung für ein Stipendium erfolgreich ist, kann es viele Monate dauern, bis Sie die Förderung erhalten.
 

Frau geht durch Tür

Tipps für die Stipendienbewerbung - Dos & Dont's

Ein grüner Haken zu empfehlen:
  • frühzeitig mit der Vorbereitung der Bewerbung beginnen
  • sich vorab gut über die Förderorganisation / Stiftung und Bewerbungsvorgaben informieren
  • formale Vorgaben im Bewerbungsprozess exakt einhalten
  • Bewerbung auf den Stipendiengeber bzw. das Stipendienprogramm ausrichten
  • begründen, warum Sie mit Ihren Werten, Vorstellungen, Zielen und Ihrem Profil genau zu dieser Stiftung passen
  • bei Stipendien, die zunächst für ein Jahr vergeben werden: Frist für den Verlängerungsantrag beachten und alle geforderten Unterlagen rechtzeitig und sorgfältig zusammenstellen
Ein rotes X unbedingt zu vermeiden:
  • Falschangaben im Lebenslauf machen
  • maßlos übertreiben, oder Ihr Licht unter den Scheffel stellen
  • wichtige Informationen weglassen
  • Rechtschreibfehler, falsche Satzzeichen und Grammatikfehler in der Bewerbung
  • Bewerbungsunterlagen von anderen kopieren oder Vorlagen aus dem Internet verwenden

Zusammengefasst: Strategien für Ihre Bewerbung

  • Informieren Sie sich frühzeitig über Stipendien. Der ideale Zeitpunkt für eine Bewerbung um ein Stipendium für ein grundständiges Studium ist das Jahr vor Studienbeginn.
  • Prüfen Sie, ob Sie für eins der staatlich finanzierten Begabtenförderungswerke infragekommen, schenken Sie aber auch kleineren Stipendienprogrammen Beachtung - hier ist die Zahl der Bewerber*innen meist geringer.
  • Prüfen Sie die Bewerbungsvoraussetzungen und -modalitäten genau. Jedes Förderprogramm hat andere Bedingungen und Vorgaben.
  • Klären Sie, ob die Ausrichtung des Stipendienprogramms zu Ihrem Profil passt. Recherchieren Sie auf den Webseiten der Stiftungen und Organisationen und schauen Sie sich Profile von Stipendiat*innen an. Treten Sie, wenn möglich, mit den stipendiatischen Botschafter*innen der Stiftungen in Kontakt. 
  • Prüfen Sie, ob Sie für ein Stipendienprogramm vorgeschlagen werden können. Sprechen Sie Personen mit Vorschlagsrecht an.
  • Geben Sie in der Bewerbung auch vermeintlich geringfügige Aktivitäten an, die Ihr Engagement und Interesse bezeugen (z.B. Tätigkeit als Streitschlichter*in, Mitarbeit in einer Arbeitsgemeinschaft, Teilnahme an außercurricularen Bildungsveranstaltungen, Pflege von Angehörigen etc.).
  • Bewerben Sie sich ruhig mehrfach, wenn mehrere Stipendienprogramme für Sie in Betracht kommen. Verfassen Sie aber jede Ihrer Bewerbungen adressatenspezifisch.
  • Erstellen Sie einen Zeitplan, insbesondere wenn mehrere Gutachten eingeholt werden müssen, und beginnen Sie frühzeitig mit der Bewerbung.
  • Holen Sie Feedback zu den Bewerbungsunterlagen ein und prüfen Sie sie abschließend sorgfältig.
  • Der Auswahlprozess dauert, insbesondere bei den größeren Studienwerken, mehrere Monate. Bei kleineren Stiftungen geht die Auswahl zwar zumeist zügiger vonstatten, Sie sollten aber in jedem Fall auch andere Formen der Studienfinanzierung in Ihre Planungen einbeziehen.