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Interview
VI

Als Sprachassistenz im Ausland Deutsch unterrichten – mit DAAD-Stipendium

28. April 2022
Vivien Illigens ist 27 Jahre alt, studiert an der Ruhr-Universität Bochum und hat ein Jahr lang als DAAD-Sprachassistentin an der Universität Uppsala in Schweden Deutsch unterrichtet. Im Interview erzählt sie uns, wie es dazu kam und welche Erfahrungen sie gemacht hat.

Vivien, welche Fächer studierst du und an welchem Punkt im Studium stehst du?

Ich studiere im Master of Education Mathematik und Deutsch sowie den Master Interkulturelle Sprachdidaktik des Deutschen. Letzterer ist ein Double-Degree-Master, den ich in Schweden an der Universität Uppsala angefangen habe und an der Ruhr-Uni Bochum weiterstudiere. In beiden Studiengängen bin ich schon weit fortgeschritten, es stehen nur noch die Masterarbeit und zwei weitere Prüfungsleistungen aus.

Wie hast du vom Sprachassistenten-Programm „Deutschlehren.International“ des DAAD erfahren?

Ich hatte nach meinem ersten Auslandsaufenthalt Lust, nochmal für einen gewissen Zeitraum im Ausland zu sein. An der Universität Uppsala in Schweden hatte ich die damalige Sprachassistentin kennengelernt, vorher war mir das gar kein Begriff. Erst später habe ich recherchiert und begriffen, dass das Sprachassistenz-Programm jedes Jahr vielen Graduierten ermöglicht, ohne große Vorerfahrung an einer ausländischen Universität Deutsch zu unterrichten.

Was hat dich motiviert, dich für das Programm zu bewerben?

Die Studienerfahrung in einem anderen Land hatte ich ja schon, deshalb hat mich dieser Perspektivwechsel – eine Lehrtätigkeit an einer Hochschule im Ausland im Bereich Deutsch als Fremdsprache – gereizt.

Wie wird man auf die Tätigkeit im Ausland vorbereitet? 

Zur Vorbereitung auf die Lehrtätigkeit an der Gasthochschule bietet der DAAD finanzielle Unterstützung für Sprachkurse in der Landessprache an. Davon habe ich keinen Gebrauch gemacht, weil ich an der Universität selbst einen Kurs besuchen konnte. Als Sprachassistenz ist man nämlich nicht nur zur Lehre da, sondern auch um Land, Leute und Sprache kennenzulernen und in einem interkulturellen Setting viele neue Erfahrungen zu sammeln.

Welche Möglichkeiten haben sich durch das Stipendienprogramm für dich eröffnet?

Ich hatte Glück und durfte im August 2020 nach Schweden zu meiner Sprachassistenz aufbrechen, während viele andere erst einmal digital von Deutschland aus starten mussten. Der DAAD hat vorab über ein Portal die ganzen Formalitäten geregelt; eine Dozentin hat mich direkt in einem Wohnheim untergebracht. Die genauen Aufgaben regelte dann das Institut, wo ich auch ein eigenes Büro und Equipment bekommen habe. Ich durfte mehrere Kurse eigenverantwortlich übernehmen, planen und halten, wobei das Level nicht so hoch ist, dass man eine gezielte Ausbildung für Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache braucht. Ein gutes Sprachgefühl und die Bereitschaft, sich doch nochmal in das ein oder andere Grammatikthema einzulesen, reichen in den meisten Fällen aus. Viele weitere Aktivitäten, die ich eigentlich hätte übernehmen sollen, sind teils oder komplett aufgrund der Pandemie weggefallen. Immerhin konnte ich noch zwei deutschsprachige Filmabende organisieren und wir haben gemeinsam mit einer anderen Universität einen digitalen Karriereabend veranstaltet.

Gibt es eine schöne Erfahrung, die du aufgrund deines Stipendiums machen durftest? 

Der Umgang mit den Studierenden war sehr bereichernd. Es war leicht, eine sehr lockere Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sie sich trauen, auch mal abwegige Fragen über Deutschland und die deutsche Sprache zu stellen. Am schönsten war aber das Feedback eines Studenten, der sich durch einen Kurs mit mir motivierter gefühlt hat, eine Arbeit in Deutschland zu suchen. Dafür haben sich dann auch zwei Semester digitaler Unterricht auf jeden Fall gelohnt.

Welche Förderung beinhaltet das Sprachassistenz-Programm? Konntest du deinen Lebensunterhalt mit dem Stipendium bestreiten?

Die Förderung ist finanziell auf das jeweilige Land abgestimmt. Die monatliche Förderung richtet sich also nach den durchschnittlichen Lebensunterhaltskosten und ist deshalb vom Zielland abhängig. Auf jeden Fall reicht es aus und lässt Spielraum für Erkundungstouren und kleinere Reisen im Land. Schließlich geht es auch darum, das Land kennenzulernen. Dazu kommen noch Zuschüsse für Reisekosten, Versicherungen und wir konnten Geld für kostenpflichtige Sprachkurse oder von uns durchgeführte Veranstaltungen und Projekte beantragen.Neben der finanziellen Förderung gibt es ungefähr zwei Monate vor Beginn des Aufenthalts ein Treffen aller Sprachassistenzen eines Jahrgangs mit Workshops und Vorbereitungsmöglichkeiten. Bei uns ist das erstmals digital und damit technisch etwas holprig gewesen. Das hat sich im nachfolgenden Jahr aber gebessert.

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab? Welche Voraussetzungen waren zu erfüllen?

Bewerben können sich alle, die zum Start der Sprachassistenz mindestens einen Bachelorabschluss haben und aus den Fachrichtungen Germanistik, Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache oder anderen sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern kommen – am besten mit Lehrbezug. Aber auch Lehramtsstudierende mit anderen Schwerpunkten können sich bewerben.

Die erste Bewerbungsfrist ist Ende Oktober. Dafür mussten wir ein mehrseitiges Formular ausfüllen und bis zu drei Wunsch-Universitäten benennen. Dazu kam ein Motivationsschreiben, das Empfehlungsschreiben eines Dozenten sowie Nachweise und Zeugnisse. Wenn sich für einzelne Hochschulen keine Personen melden, werden die Plätze dort neu ausgeschrieben und haben dann nochmal Fristen im Frühjahr. 

Ich glaube, ich habe im Dezember Bescheid bekommen, dass ich in der nächsten Auswahlrunde bin. Da ich mich allerdings für Hochschulen in der EU beworben hatte, lag mein Termin für das Bewerbungsgespräch erst Ende März und sollte in Bonn stattfinden. Zu Beginn des Jahres starten aber immer die Auswahlgespräche für Länder, bei denen zum Beispiel durch Visaverfahren die Vorbereitung länger dauert. Die Auswahlgespräche finden immer mit mehreren Personen unterschiedlicher internationaler Hochschulen statt. Durch die Videokonferenz hatte ich das Glück, dass Dozentinnen und Dozenten meiner Wunsch-Hochschulen dabei waren. Zu den Präsenzterminen können sonst nicht immer alle anreisen. Eine Zusage habe ich etwa ein bis zwei Wochen später bekommen.

Wem würdest du eine Bewerbung für das Sprachassistenz-Programm empfehlen?

Ich würde allen, die die Voraussetzungen erfüllen und grundsätzlich neugierig auf das Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache und eine Zeit im Ausland sind, eine Bewerbung empfehlen. Wenn man sich nicht so bekannte Wunsch-Unis sucht und Bereitschaft zeigt, sich mit Fremdsprachdidaktik auseinanderzusetzen, dann hat man gute Chancen, eine Stelle zu bekommen. Bewerben sollte man sich übrigens am besten schon nach dem Bachelorabschluss. Erlangt man nämlich einen weiteren Master–Abschluss, kann man sich nochmal bewerben und eine weitere Hochschule und ein weiteres Land kennenlernen.
 

Weiterführende Informationen: 

  • Die nächste weltweite Ausschreibung von Lehrassistenz-Stipendien des DAAD für das Hochschuljahr 2023/24 wird voraussichtlich im Juli 2022 starten. 
  • Hier finden sich Erfahrungsberichte von Studierenden und Graduierten, die in der ganzen Welt unterwegs sind.

Foto Vivien Illigens: privat