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Erfahrungsbericht
Dr. Florian Schacht

„Die ehrenamtliche Tätigkeit ist eine Bereicherung“

19 März 2020
Interview mit Prof. Dr. Florian Schacht, Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung

Was sind Ihre Aufgaben als Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung?

Die ehrenamtliche Tätigkeit ist verbunden mit unterschiedlichen Rollen und ich sehe den Reiz eher in der Vielfalt der Rollen als in der Unterschiedlichkeit der Aufgaben. Der Soziologe Ralf Dahrendorf formuliert dies so: „Soziale Rollen sind Bündel von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen.“ 

Welche Rollen bzw. welche „Bündel von Erwartungen“ sind mit der Tätigkeit verknüpft?

Zum einen bin ich die Kontaktperson zur Hochschulgruppe: Als Vertrauensdozent ist es mir wichtig, regelmäßigen Kontakt zur Hochschulgruppe – in meinem Fall: an der Universität Duisburg-Essen - zu halten und mich mit den Mitgliedern auszutauschen. Es ist eine große Freude, mit engagierten Stipendiat*innen zu diskutieren und zum Beispiel gemeinsame Aktivitäten zu planen und durchzuführen. Natürlich stehe ich als Vertrauensdozent auch für Fragen rund um die individuelle Situation im Rahmen des Studiums zur Verfügung. 

Zugleich bin ich einer von vielen Vertrauensdozent*innen. Die Vernetzung mit anderen Vertrauensdozent*innen finde ich besonders anregend. Ich stelle fest, dass es viele gemeinsame Gesprächsanlässe gibt; sei es etwa zur Frage, inwiefern über die Möglichkeiten der Studien- und Promotionsförderung über Stipendien informiert werden kann oder etwa zu Möglichkeiten der Vernetzungen innerhalb der Hochschule und auch über die Hochschulgrenzen hinweg. 

Hinzu kommen Ihre Rollen als Mentor und Gutachter …

Die Rolle als Gutachter zum Beispiel bei der Auswahl zukünftiger Stipendiat*innen ist eine der wichtigsten. Auch diese Rolle ist mit vielen unterschiedlichen und sehr interessanten Begegnungen mit jungen Menschen verbunden, die sehr engagiert sind und mit denen sich zum Teil sehr spannende Gespräche führen lassen. Eine gute Vorbereitung auf solche Gespräche ist daher enorm wichtig – nicht nur für die Kandidat*innen, sondern auch für mich als Vertrauensdozent. Auch die Rolle als Mentor erlebe ich für beide Seiten als sehr gewinnbringend: Von den Stipendiat*innen kann ich viel lernen und gleichzeitig kann ich meine Erfahrung als Vertrauensdozent zum Beispiel bei studienbezogenen oder strategischen Fragen mit einbringen. Und natürlich beteilige ich mich sehr gerne an Veranstaltungen, die zum Beispiel an der Universität Duisburg-Essen zum Thema Stipendien organisiert werden, da ich sie für interessierte Studierende als hilfreich erlebe. 

Wo sehen Sie den Mehrwert dieser facettenreichen Tätigkeit? 

Ein wichtiges Grundanliegen der Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung ist der gerechte Zugang zu Bildungschancen. Dazu ein Stück weit beitragen zu dürfen, empfinde ich persönlich als ein großes Privileg, für das ich mich sehr gern engagiere. 
In diesem Zusammenhang würde ich aber nicht von Mehrwert sprechen. Vielmehr ist diese ehrenamtliche Tätigkeit in vielen Situationen meines beruflichen Alltags eine Bereicherung. Ich lerne interessante und interessierte junge Menschen kennen, die sich sozial engagieren und die eine Haltung mitbringen, zu der sie stehen. 

Wie sind Sie zu dieser Tätigkeit gekommen?

Es gibt sicher sehr unterschiedliche Wege – dies zeigt schon allein ein Blick auf die Biografien der Vertrauensdozent*innen. In meinem Fall war es so, dass ich zunächst während des Studiums von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert wurde. In dieser Zeit habe ich mich unter anderem als Sprecher für die Hochschulgruppe an der TU Dortmund engagiert. Über die Jahre habe ich immer Kontakt zur Friedrich-Ebert-Stiftung gehalten. Die Anfrage der Stiftung, ob ich mich als Vertrauensdozent engagieren würde, hat mich sehr gefreut und ich habe sofort zugesagt. 

Wie kann ich zur Stipendienkultur an meiner Hochschule beitragen, ohne Vertrauensdozent*in zu sein?

Ein Beitrag zur Stipendienkultur kann schon darin bestehen, dass man potenziell geeigneten Studierenden Mut macht, sich auf ein Stipendium zu bewerben. Viele Studierende verbinden das Thema Stipendien mit hoch elitären Programmen, für die ihnen die eigenen Studienleistungen fachlich nicht gut genug erscheinen. Dabei wird oft nicht beachtet, dass es neben fachlich sehr guten Leistungen im Studium auch noch andere Auswahlkriterien gibt. Besonders wichtig ist daneben – für die meisten Stiftungen – zum Beispiel das gesellschaftliche Engagement. 
Ich spreche regelmäßig Studierende an und empfehle ihnen, sich zum Thema Stipendien zu informieren und eine Bewerbung bei einer potenziell passenden Stiftung in Betracht zu ziehen.
 

Prof. Dr. Florian Schacht